Bitterfelder Bernstein im Sediment

Was ist Bitterfelder Bernstein?

Riesige Lagerstätte in Mitteldeutschland - 900 Tonnen warten auf ihre Bergung

Eine Sonderstellung unter den Bernstein-Lagerstätten nimmt der sogenannte "Sächsische Bernstein" ein. In einem stillgelegten Braunkohlentagebau nur wenige Kilometer östlich der Stadt Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) wurden Anfang der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zufällig zahlreiche Bernsteinstücke entdeckt.

Unter der abgebauten Kohleschicht befand sich auf mehreren Quadtratkilometern eine stark glimmerhaltige Tonschicht (Schluff), in der die wertvollen Bernsteine eingebettet waren. Anders als die "Blaue Erde" im Samland, wo der Bernstein gleichmäßig verteilt gefunden wird, war in Bitterfeld die Tonschicht von richtigen "Bernsteinnestern" durchsetzt.

Gezieltes oberflächliches Auflesen der durch Witterungseinflüsse freigelegten Bernsteinstücke brachte allein im Jahr 1975 eine Gesamtmenge von über 1.000 kg. In jenem Jahr waren fast 20 Mitarbeiter einer Bernstein-Schmuckfabrik von der Ostseeküste zum Sammeln nach Bitterfeld entsendet worden.

Durch Probebohrungen wurde das gesamte Vorkommen auf etwa 1.400 t geschätzt. Zwischen 1976 und 1989 wurden durch Ingenieure des Bitterfelder Braunkohlekombinates verschiedene technische Anlagen und Systeme entwickelt, mit denen das Vorkommen gezielt erschlossen werden konnte. So waren im "Wendejahr" 1989 fast einhundert Bergarbeiter im Zweischichtbetrieb mit der Bernsteingewinnung beschäftigt. Die gesamte Fördermenge betrug in dem Jahr mehr als 36.000 kg. Der überwiegende Teil dieser Steine war für die Schmuckherstellung jedoch zu klein und wurde in der chemischen Industrie z.B. zur Lackherstellung verwertet.

Die größeren Steine wurden überwiegend im VEB Ostseeschmuck in Ribnitz-Damgarten zu Schmuck verarbeitet und gegen "harte Devisen" z.B. nach Dänemark oder Westdeutschland verkauft. In den achtziger Jahren war dieser Betrieb Weltmarktführer und exportierte für viele Millionen Dollar Bernsteinketten in alle Welt. Die mehrere Hundert zählende Schar der fleißigen Mitarbeiterinnen bohrten und fädelten freilich für weniger als 3,- DDR-Mark in der Stunde. Nur durch diese "Hungerlöhne" konnte der Betrieb in dieser Form überhaupt existieren, denn mit den steigenden Löhnen zu Beginn der neunziger Jahre wurden unter der Verwaltung der Treuhandanstalt viele Hundert Arbeitsplätze abgebaut. Bernsteinketten, die auf Basis der höheren Löhne kalkuliert wurden, waren zu diesen Preisen nicht mehr zu verkaufen.

Auch war Anfang der neunziger Jahre ein wirtschaftlicher Abbau der Lagerstätte in Bitterfeld nicht mehr gegeben. Die Grube wurde im Rahmen einer großflächigen Rekultivierung der gesamten Bergbauregion mit Wasser geflutet.

Heute befindet sich neben der Stadt Bitterfeld in einem Naherholungsgebiet der mehrere Quadratkilometer große "Bernsteinsee". Gut vorstellbar, dass die meisten Erholungssuchenden gar nicht wissen, daß unter dem See noch immer ein Schatz von über 900 t Bernstein liegt. Ein Schatz, der einen Wert von einigen hundert Millionen Euro hat! Für immer begraben unter riesigen Wasser- und Erdmassen.

Der Inhaber des Meldorfer BernsteinZimmers konnte noch zu DDR-Zeiten im Jahre 1990 von der damaligen Betriebsdirektion eine Ausnahmegenehmigung zum oberflächlichen Absammeln der Steine erwerben. So wurde in wenigen Monaten ein ansehnlicher Vorrat gesammelt. Aus diesem Fundus wird noch heute der eine oder andere Rohstein zu Schmuck verarbeitet. Auch kann man im Meldorfer BernsteinZimmer noch heute "Original Bitterfelder Rohbernstein" erwerben. Eine echte Rarität, denn es gilt als ausgeschlossen, dass jemals wieder ein solcher Stein aus der Erde gefördert wird.


ZURÜCK